Jugendliche leben nicht nur auf dem Schulhof oder im Jugendzentrum. Sie leben auch auf Social Media Plattformen, in Gaming-Welten und in Chatgruppen. Beides gehört zusammen – analog und digital lassen sich kaum noch trennen.
Was bedeutet das für die Jugendhilfeplanung? Unser ehemaliger Kollege Adrian Groschwitz (DKJS) ging dieser Frage gemeinsam mit Prof. Dr. Marius Otto (Hochschule Landshut) und Prof. Dr. Markus Baum (Katholische Hochschule NRW) nach. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie nun in einem Fachartikel „Jugendhilfeplanung unter dem Vorzeichen der Digitalität. Alltagstheoretische Perspektiven auf digitale Sozialräume im Planungskontext“.
Darin benennen sie ein Muster, das in vielen Verwaltungen zu finden ist: Jugendliche werden “online erreicht”, geplant wird aber weiterhin analog. Digitale Kanäle dienen dann nur als Werkzeug, um junge Menschen zu erreichen. Als eigene Lebenswelt werden sie kaum mitgedacht. Der Artikel dreht diese Logik um. Digitale Räume sind für die Autoren keine Ergänzung zum “echten” Alltag, sondern Teil davon. Ob Gaming-Welt oder Klassenchat: Was dort passiert, prägt Identität, Beziehungen und Zugehörigkeit genauso wie das, was auf dem Pausenhof passiert.
Aus Sicht der Autoren erfordert das vor allem eines: bessere Zusammenarbeit. Jugendhilfeplanung kann die hybriden Lebenswelten junger Menschen nicht allein erfassen. Sie muss sich stärker mit Stadtplanung, Sportverwaltung, Gesundheitsförderung und Digitalpolitik vernetzen – Bereiche, die bislang oft nebeneinander statt miteinander arbeiten. Das heißt auch hier: Silodenken aufbrechen und Verwaltung, Politik und Träger an einen Tisch bringen, damit aus einzelnen Zuständigkeiten ein gemeinsames Handeln wird.
Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Kulturwandel beginnt am Frühstückstisch: Wie Bonn Zusammenarbeit neu denkt 

