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Kooperative und integrierte Planung und Steuerung für gelingendes Aufwachsen
30.07.2026 | Blogbeitrag von Karin Kowalczyk

Kulturwandel beginnt am Frühstückstisch: Wie Bonn Zusammenarbeit neu denkt 

Ver­än­de­rung hin zu einer inte­grier­te­ren Pla­nung und Steue­rung in Kom­mu­nen klingt nach gro­ßen Stra­te­gien und dicken Kon­zept­pa­pie­ren. Doch die K360-Fel­lows Mai­ke Rüt­ten (Sach­ge­biets­lei­tung Jugend­hil­fe­pla­nung) und Peter Bröx­kes (Abtei­lungs­lei­tung Jugend­för­de­rung) aus Bonn zei­gen: Eine wirk­lich trag­fä­hi­ge Zusam­men­ar­beit ent­steht in Bezie­hun­gen, nicht auf dem Papier.

Vor­aus­set­zung für gelin­gen­de inte­grier­te Pla­nung und Steue­rung ist eine koope­ra­ti­ve Arbeits­wei­se – gemein­sam mit Akteur:innen inner­halb und außer­halb der Ver­wal­tung. Dafür braucht es eine offe­ne Hal­tung, gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en und oft­mals auch einen kul­tu­rel­len Ver­än­de­rungs­pro­zess. Und der beginnt manch­mal mit einer ein­fa­chen Fra­ge: „Wol­len wir nicht mal zusam­men früh­stü­cken?“ So wie in Bonn.

Was kön­nen ande­re Kom­mu­nen aus den Pra­xis­er­fah­run­gen von Bonn lernen?

Die Erfah­run­gen aus Bonn zeig­ten: Inte­grier­te Pla­nung und Steue­rung gelingt nicht allein durch per­fek­te Stra­te­gien oder neue Struk­tu­ren. Ent­schei­dend ist eine Kul­tur des Mit­ein­an­ders. Aller­dings gibt es kei­nen Mas­ter­plan dafür, wie die­se Kul­tur geschaf­fen wer­den kann. Unse­re Bon­ner K360-Fel­lows zei­gen aber, wel­che gro­ße Wir­kung klei­ne Impul­se haben kön­nen, um fest­ge­fah­re­ne Rou­ti­nen auf den Prüf­stand zu stel­len und Ver­än­de­run­gen hin zu ech­ter Koope­ra­ti­on vor­an­zu­trei­ben. Dazu gehört auch eine Pri­se Mut und – ganz rhein­län­disch – Freu­de an der gemein­sa­men Sache.

Gemein­sa­me Zie­le im Span­nungs­feld unter­schied­li­cher Per­spek­ti­ven: Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen der Bon­ner Ver­wal­tung und Akteur:innen außer­halb der Verwaltung

Mai­ke Rüt­ten und Peter Bröx­kes zie­hen eine ehr­li­che Bilanz zu ihrer bis­he­ri­gen akteurs­über­grei­fen­den Zusam­men­ar­beit: Die Ergeb­nis­se sei­en in der Ver­gan­gen­heit meist sehr gut gewe­sen, der Weg dort­hin war jedoch oft müh­sam für alle Betei­lig­ten. Miss­ver­ständ­nis­se bis hin zu einem emp­fun­de­nen Recht­fer­ti­gungs­druck erschwer­ten den kon­struk­ti­ven Aus­tausch. So blieb nach Aus­schuss- und Gre­mi­en­sit­zun­gen oft das Gefühl zurück, dass die Zusam­men­ar­beit wenig ver­bin­dend ist. Und das, obwohl alle auf ein gemein­sa­mes, wert­vol­les Ziel hin­ar­bei­te­ten. Die­se Erfah­rung ken­nen vie­le kom­mu­na­le Akteur:innen. Denn in Gre­mi­en tref­fen unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven, Hand­lungs­zwän­ge und Inter­es­sen auf­ein­an­der. Ziel­kon­flik­te machen sich bemerkbar.

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Sie möch­ten inte­grier­te Pla­nung und Steue­rung in Ihrer Kom­mu­ne wei­ter­ent­wi­ckeln und vor­an­trei­ben? Der Chan­ge-Gui­de unter­stützt Sie mit pra­xis­na­hen Methoden.
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Ihre Zusam­men­ar­beit in Zukunft: Ver­trau­ens­voll, offen und verständnisvoll

Nun soll der Kin­der- und Jugend­för­der­plan zusam­men mit den frei­en Trä­gern der Jugend­hil­fe und der Kom­mu­nal­po­li­tik fort­ge­schrie­ben wer­den. Das bot Mai­ke Rüt­ten und Peter Bröx­kes einen Anlass dafür, ihre bis­he­ri­ge Zusam­men­ar­beit zu reflek­tie­ren. Der Anspruch der K360 Fel­lows aus Bonn: Der neue För­der­plan soll nicht nur auf dem Papier bestehen, son­dern im Arbeits­all­tag Ori­en­tie­rung geben und ech­te Hand­lungs­re­le­vanz haben. Sie sind über­zeugt, dass es dafür mehr als neue Inhal­te braucht. Mai­ke Rüt­ten und Peter Bröx­kes ist wich­tig, dass die Ver­wal­tung und die rele­van­ten Akteur:innen der Jugend­hil­fe zukünf­tig anders zusam­men­ar­bei­ten: ver­trau­ens­voll, offen und ver­ständ­nis­voll gegen­über den Per­spek­ti­ven der anderen.

„Kom­mu­ni­ka­ti­on ist wich­tig – aber wir haben gemerkt, dass nicht immer klar ist: Wo steht eigent­lich der ande­re? “ – Mai­ke Rütten

“Cul­tu­re eats stra­tegy for break­fast” – mal ganz wört­lich genommen

Die Zie­le waren also klar: Bevor der neue Kin­der- und Jugend­för­der­plan ent­wi­ckelt und for­mu­liert wird, soll eine Grund­la­ge für ech­tes koope­ra­ti­ves Zusam­men­ar­bei­ten ent­ste­hen. Basis dafür ist ein Set­ting, in dem Bedürf­nis­se, Unsi­cher­hei­ten und Erwar­tun­gen offen ange­spro­chen wer­den kön­nen und in dem so Ver­trau­en ent­ste­hen kann. So bil­det sich Schritt für Schritt ein neu­es Ver­ständ­nis der Zusam­men­ar­beit: weg von kon­fron­ta­ti­ven Abstim­mun­gen und hin zu einer koope­ra­ti­ven Arbeits­kul­tur, die auf gegen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis und gemein­sa­mer Ver­ant­wor­tung basiert.

“Wir müs­sen den Kreis­lauf der klas­si­schen Gre­mi­en­sit­zun­gen – also das, was bis­her immer so war – durch­bre­chen.” – Peter Bröxkes

Doch wo fängt man dafür an? Die Ant­wort der K360-Fel­lows aus Bonn: „Dort, wo es leicht fällt!” so Mai­ke Rüt­ten. Peter Bröx­kes erklärt: „Wir müs­sen den Kreis­lauf der klas­si­schen Gre­mi­en­sit­zun­gen – also das, was bis­her immer so war – durch­bre­chen. Bestimm­te Struk­tu­ren sind von außen vor­ge­ge­ben und las­sen sich daher nicht ändern. Aber in unse­rer AG 78 Jugend­för­de­rung, wo wir mit den frei­en Trä­gern zusam­men­sit­zen, da kön­nen wir es anders machen“. Statt sofort die gesam­te AG 78 umzu­krem­peln, beschlos­sen die bei­den einen Zwi­schen­schritt ein­zu­bau­en. Um Mitstreiter:innen für ihr Vor­ha­ben zu gewin­nen, luden sie die Sprecher:innen der frei­en Trä­ger kur­zer­hand zum gemein­sa­men Früh­stück ein: „Es fühl­te sich unge­wöhn­lich an, aber nicht angst­be­setzt. Und wenn es schief­ge­gan­gen wäre? Dann hät­ten wir wenigs­ten lecker zusam­men gefrühstückt.“

“Cul­tu­re eats stra­tegy for breaks­fast” wur­de in die­sem Fall wört­lich genom­men. Und der Plan ging auf. In ent­spann­ter Atmo­sphä­re ent­stand ein ehr­li­cher Aus­tausch über die Jugend­hil­fe in Bonn. Schnell wur­de deut­lich: Gesprä­che auf Augen­hö­he, ech­tes Inter­es­se an den Sicht­wei­sen der ande­ren und Ver­trau­en als Grund­la­ge der Zusam­men­ar­beit – genau davon braucht es mehr!

Next Step: Die AG 78 neu denken

Durch den Erfolg des Früh­stücks bestärkt, beschlos­sen Mai­ke Rüt­ten und Peter Bröx­kes, die­sen Weg kon­se­quent wei­ter­zu­ge­hen. Sie gestal­te­ten bewusst neu, wie in der AG 78 zusam­men­ge­ar­bei­tet wird. Ihr Ziel: „Ins­ge­heim wün­schen wir uns, dass jede:r sagt: ‚An die­sem Ter­min muss ich unbe­dingt dabei sein! Denn wenn ich nicht dabei bin, habe ich rich­tig was ver­passt!‘“ so Mai­ke Rüt­ten. Peter Bröx­kes ergänzt: „Ich glau­be, so eine Stim­mung gab es bzgl. der AG 78 bis­her noch nie.“

Statt klas­si­scher Gre­mi­en­lo­gik set­zen sie dafür auf klei­ne, bewuss­te Irri­ta­tio­nen, die Rou­ti­nen auf­bre­chen und neue For­men des Aus­tauschs ermög­li­chen. Mai­ke Rüt­ten fügt erklä­rend hin­zu: „Irri­ta­ti­on klingt erst­mal nega­tiv, aber wir mei­nen es posi­tiv: Für uns bedeu­tet es, Din­ge aus einem ande­ren Blick­win­kel betrach­ten.“ Sie gibt vier Bei­spie­le, wie das in Bonn anhand der AG 78 aussieht:

  • Orts­wech­sel pla­nen: Die AG 78 Sit­zun­gen fin­den nicht mehr nur in Ver­wal­tungs­räu­men statt, son­dern auch bei den Trägern.
  • Schö­ne Atmo­sphä­re schaf­fen: Kaf­fee, Kek­se und Blu­men machen einen Unter­schied. Sie schaf­fen einen Rah­men, der Offen­heit und Begeg­nung unter­stützt – Ver­hält­nis­se schaf­fen Verhalten!
  • Neue Arbeits­for­ma­te tes­ten: Statt gro­ßer Ple­nums­run­den gibt es klei­ne­re Tisch­grup­pen, wech­seln­de Sitz­ord­nun­gen und unter­schied­li­che Moderationen.
  • Locke­re Ein­stie­ge und Metho­den nut­zen: Bild­kar­ten, per­sön­li­che Fra­gen oder agi­le Metho­den erset­zen das klas­si­sche „Abar­bei­ten“ der Tagesordnung:

Die Wir­kung blieb nicht aus: Die Grup­pe woll­te sich plötz­lich häu­fi­ger tref­fen – drei­mal statt wie bis­her zwei­mal im Jahr. Ein deut­li­ches Zei­chen dafür, dass aus Sit­zungs­mü­dig­keit lang­sam Lust auf Teil­nah­me und die gemein­sa­me Arbeit an über­ge­ord­ne­ten Zie­len wurde.

So geht es jetzt in Bonn weiter

„Kul­tur kann man nicht ver­ord­nen. Sie muss wach­sen.“ – Peter Bröxkes

Mai­ke Rüt­ten und Peter Bröx­kes ver­ste­hen den Kul­tur­wan­del als das, was er ist: Ein kon­ti­nu­ier­li­cher Ver­än­de­rungs­pro­zess, den sie wei­ter vor­an­trei­ben: „Kul­tur kann man nicht ver­ord­nen. Sie muss wach­sen“ betont Peter Bröx­kes. In einem wei­te­ren Tref­fen der AG 78 sol­len die bis­he­ri­gen Erfah­run­gen und Vor­stel­lun­gen in ein gemein­sa­mes Leit­bild über­führt wer­den: Was sind unse­re gemein­sa­men Zie­le? Wie wol­len wir künf­tig zusam­men­ar­bei­ten? Die­ses Leit­bild soll die Grund­la­ge für die gemein­sa­me Arbeit und Fort­schrei­bung des Jugend­för­der­plans bil­den. Dabei hilft ihnen, dass sie nun auf einer ers­ten guten Grund­la­ge aus ver­trau­ens­vol­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on und gegen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis auf­bau­en kön­nen. Und wir als Initia­ti­ve Kom­mu­ne 360° freu­en uns sehr, die­sen Weg mit­be­glei­ten zu dürfen!


Bonn ist eine von 8 Kom­mu­nen in unse­rem K360-Fel­low-Pro­gramm.
Mit dem Pro­gramm unter­stüt­zen wir die Kom­mu­nen, ihre Vor­ha­ben im Bereich der inte­grier­ten Pla­nung und Steue­rung für gelin­gen­des Auf­wach­sen ziel­ge­rich­tet vor­an­zu­brin­gen und pas­sen­de Ant­wor­ten auf kom­mu­na­le Her­aus­for­de­run­gen in Kri­sen­zei­ten zu fin­den. Das Pro­gramm umfasst eine indi­vi­du­el­le Beglei­tung von Kom­mu­nen, bewähr­te Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te und inter­kom­mu­na­le Ver­net­zungs­for­ma­te. Regel­mä­ßig geben wir im Maga­zin Ein­bli­cke in die Arbeit der Kom­mu­nen. Wenn Sie kei­nen Bei­trag ver­pas­sen wol­len, abon­nie­ren Sie unse­ren Newsletter.

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