Veränderung hin zu einer integrierteren Planung und Steuerung in Kommunen klingt nach großen Strategien und dicken Konzeptpapieren. Doch die K360-Fellows Maike Rütten (Sachgebietsleitung Jugendhilfeplanung) und Peter Bröxkes (Abteilungsleitung Jugendförderung) aus Bonn zeigen: Eine wirklich tragfähige Zusammenarbeit entsteht in Beziehungen, nicht auf dem Papier.
Voraussetzung für gelingende integrierte Planung und Steuerung ist eine kooperative Arbeitsweise – gemeinsam mit Akteur:innen innerhalb und außerhalb der Verwaltung. Dafür braucht es eine offene Haltung, gegenseitiges Vertrauen und oftmals auch einen kulturellen Veränderungsprozess. Und der beginnt manchmal mit einer einfachen Frage: „Wollen wir nicht mal zusammen frühstücken?“ So wie in Bonn.
Was können andere Kommunen aus den Praxiserfahrungen von Bonn lernen?
Die Erfahrungen aus Bonn zeigten: Integrierte Planung und Steuerung gelingt nicht allein durch perfekte Strategien oder neue Strukturen. Entscheidend ist eine Kultur des Miteinanders. Allerdings gibt es keinen Masterplan dafür, wie diese Kultur geschaffen werden kann. Unsere Bonner K360-Fellows zeigen aber, welche große Wirkung kleine Impulse haben können, um festgefahrene Routinen auf den Prüfstand zu stellen und Veränderungen hin zu echter Kooperation voranzutreiben. Dazu gehört auch eine Prise Mut und – ganz rheinländisch – Freude an der gemeinsamen Sache.
Gemeinsame Ziele im Spannungsfeld unterschiedlicher Perspektiven: Die Zusammenarbeit zwischen der Bonner Verwaltung und Akteur:innen außerhalb der Verwaltung
Maike Rütten und Peter Bröxkes ziehen eine ehrliche Bilanz zu ihrer bisherigen akteursübergreifenden Zusammenarbeit: Die Ergebnisse seien in der Vergangenheit meist sehr gut gewesen, der Weg dorthin war jedoch oft mühsam für alle Beteiligten. Missverständnisse bis hin zu einem empfundenen Rechtfertigungsdruck erschwerten den konstruktiven Austausch. So blieb nach Ausschuss- und Gremiensitzungen oft das Gefühl zurück, dass die Zusammenarbeit wenig verbindend ist. Und das, obwohl alle auf ein gemeinsames, wertvolles Ziel hinarbeiteten. Diese Erfahrung kennen viele kommunale Akteur:innen. Denn in Gremien treffen unterschiedliche Perspektiven, Handlungszwänge und Interessen aufeinander. Zielkonflikte machen sich bemerkbar.

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Ihre Zusammenarbeit in Zukunft: Vertrauensvoll, offen und verständnisvoll
Nun soll der Kinder- und Jugendförderplan zusammen mit den freien Trägern der Jugendhilfe und der Kommunalpolitik fortgeschrieben werden. Das bot Maike Rütten und Peter Bröxkes einen Anlass dafür, ihre bisherige Zusammenarbeit zu reflektieren. Der Anspruch der K360 Fellows aus Bonn: Der neue Förderplan soll nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern im Arbeitsalltag Orientierung geben und echte Handlungsrelevanz haben. Sie sind überzeugt, dass es dafür mehr als neue Inhalte braucht. Maike Rütten und Peter Bröxkes ist wichtig, dass die Verwaltung und die relevanten Akteur:innen der Jugendhilfe zukünftig anders zusammenarbeiten: vertrauensvoll, offen und verständnisvoll gegenüber den Perspektiven der anderen.
„Kommunikation ist wichtig – aber wir haben gemerkt, dass nicht immer klar ist: Wo steht eigentlich der andere? “ – Maike Rütten
“Culture eats strategy for breakfast” – mal ganz wörtlich genommen
Die Ziele waren also klar: Bevor der neue Kinder- und Jugendförderplan entwickelt und formuliert wird, soll eine Grundlage für echtes kooperatives Zusammenarbeiten entstehen. Basis dafür ist ein Setting, in dem Bedürfnisse, Unsicherheiten und Erwartungen offen angesprochen werden können und in dem so Vertrauen entstehen kann. So bildet sich Schritt für Schritt ein neues Verständnis der Zusammenarbeit: weg von konfrontativen Abstimmungen und hin zu einer kooperativen Arbeitskultur, die auf gegenseitigem Verständnis und gemeinsamer Verantwortung basiert.
“Wir müssen den Kreislauf der klassischen Gremiensitzungen – also das, was bisher immer so war – durchbrechen.” – Peter Bröxkes
Doch wo fängt man dafür an? Die Antwort der K360-Fellows aus Bonn: „Dort, wo es leicht fällt!” so Maike Rütten. Peter Bröxkes erklärt: „Wir müssen den Kreislauf der klassischen Gremiensitzungen – also das, was bisher immer so war – durchbrechen. Bestimmte Strukturen sind von außen vorgegeben und lassen sich daher nicht ändern. Aber in unserer AG 78 Jugendförderung, wo wir mit den freien Trägern zusammensitzen, da können wir es anders machen“. Statt sofort die gesamte AG 78 umzukrempeln, beschlossen die beiden einen Zwischenschritt einzubauen. Um Mitstreiter:innen für ihr Vorhaben zu gewinnen, luden sie die Sprecher:innen der freien Träger kurzerhand zum gemeinsamen Frühstück ein: „Es fühlte sich ungewöhnlich an, aber nicht angstbesetzt. Und wenn es schiefgegangen wäre? Dann hätten wir wenigsten lecker zusammen gefrühstückt.“
“Culture eats strategy for breaksfast” wurde in diesem Fall wörtlich genommen. Und der Plan ging auf. In entspannter Atmosphäre entstand ein ehrlicher Austausch über die Jugendhilfe in Bonn. Schnell wurde deutlich: Gespräche auf Augenhöhe, echtes Interesse an den Sichtweisen der anderen und Vertrauen als Grundlage der Zusammenarbeit – genau davon braucht es mehr!
Next Step: Die AG 78 neu denken
Durch den Erfolg des Frühstücks bestärkt, beschlossen Maike Rütten und Peter Bröxkes, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Sie gestalteten bewusst neu, wie in der AG 78 zusammengearbeitet wird. Ihr Ziel: „Insgeheim wünschen wir uns, dass jede:r sagt: ‚An diesem Termin muss ich unbedingt dabei sein! Denn wenn ich nicht dabei bin, habe ich richtig was verpasst!‘“ so Maike Rütten. Peter Bröxkes ergänzt: „Ich glaube, so eine Stimmung gab es bzgl. der AG 78 bisher noch nie.“
Statt klassischer Gremienlogik setzen sie dafür auf kleine, bewusste Irritationen, die Routinen aufbrechen und neue Formen des Austauschs ermöglichen. Maike Rütten fügt erklärend hinzu: „Irritation klingt erstmal negativ, aber wir meinen es positiv: Für uns bedeutet es, Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten.“ Sie gibt vier Beispiele, wie das in Bonn anhand der AG 78 aussieht:

- Ortswechsel planen: Die AG 78 Sitzungen finden nicht mehr nur in Verwaltungsräumen statt, sondern auch bei den Trägern.
- Schöne Atmosphäre schaffen: Kaffee, Kekse und Blumen machen einen Unterschied. Sie schaffen einen Rahmen, der Offenheit und Begegnung unterstützt – Verhältnisse schaffen Verhalten!
- Neue Arbeitsformate testen: Statt großer Plenumsrunden gibt es kleinere Tischgruppen, wechselnde Sitzordnungen und unterschiedliche Moderationen.
- Lockere Einstiege und Methoden nutzen: Bildkarten, persönliche Fragen oder agile Methoden ersetzen das klassische „Abarbeiten“ der Tagesordnung:
Die Wirkung blieb nicht aus: Die Gruppe wollte sich plötzlich häufiger treffen – dreimal statt wie bisher zweimal im Jahr. Ein deutliches Zeichen dafür, dass aus Sitzungsmüdigkeit langsam Lust auf Teilnahme und die gemeinsame Arbeit an übergeordneten Zielen wurde.
So geht es jetzt in Bonn weiter
„Kultur kann man nicht verordnen. Sie muss wachsen.“ – Peter Bröxkes
Maike Rütten und Peter Bröxkes verstehen den Kulturwandel als das, was er ist: Ein kontinuierlicher Veränderungsprozess, den sie weiter vorantreiben: „Kultur kann man nicht verordnen. Sie muss wachsen“ betont Peter Bröxkes. In einem weiteren Treffen der AG 78 sollen die bisherigen Erfahrungen und Vorstellungen in ein gemeinsames Leitbild überführt werden: Was sind unsere gemeinsamen Ziele? Wie wollen wir künftig zusammenarbeiten? Dieses Leitbild soll die Grundlage für die gemeinsame Arbeit und Fortschreibung des Jugendförderplans bilden. Dabei hilft ihnen, dass sie nun auf einer ersten guten Grundlage aus vertrauensvoller Kommunikation und gegenseitigem Verständnis aufbauen können. Und wir als Initiative Kommune 360° freuen uns sehr, diesen Weg mitbegleiten zu dürfen!
Bonn ist eine von 8 Kommunen in unserem K360-Fellow-Programm.
Mit dem Programm unterstützen wir die Kommunen, ihre Vorhaben im Bereich der integrierten Planung und Steuerung für gelingendes Aufwachsen zielgerichtet voranzubringen und passende Antworten auf kommunale Herausforderungen in Krisenzeiten zu finden. Das Programm umfasst eine individuelle Begleitung von Kommunen, bewährte Fortbildungsangebote und interkommunale Vernetzungsformate. Regelmäßig geben wir im Magazin Einblicke in die Arbeit der Kommunen. Wenn Sie keinen Beitrag verpassen wollen, abonnieren Sie unseren Newsletter.

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