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Kooperative und integrierte Planung und Steuerung für gelingendes Aufwachsen
06.07.2026 | Blogbeitrag von Christin Noack

Allrounder:in gesucht - Was es für eine gute Jugendhilfeplanung wirklich braucht

Jugend­hil­fe­pla­nung ist eine gesetz­lich ver­an­ker­te Pflicht­auf­ga­be. In der Pra­xis zeigt sich außer­dem schnell: Jugend­hil­fe­pla­nung ist weit mehr als ein for­ma­ler Auf­trag. Sie ist ein viel­schich­ti­ger, kom­mu­ni­ka­ti­ver und koope­ra­ti­ver Pro­zess zwi­schen allen betei­lig­ten Akteu­ren. Doch wel­che Kom­pe­ten­zen braucht es, um die­sen gut zu gestal­ten? Das haben wir uns ange­schaut. In der Theo­rie und auch ganz kon­kret in der Pra­xis – in Ham­burg bei Jugend­hil­fe­pla­ne­rin Dr. San­dra Küch­ler zum Beispiel.

Ver­ant­wort­lich für die Jugend­hil­fe­pla­nung sind kom­mu­na­le Jugend­äm­ter im Zusam­men­spiel mit dem Jugend­hil­fe­aus­schuss als poli­ti­sches Gre­mi­um und den frei­en Trä­gern der Kin­der- und Jugend­hil­fe. Im § 80 SGB VIII ist fest­ge­legt, was sie leis­ten soll:

  • einen Über­blick über vor Ort bestehen­de Ange­bo­te und Ein­rich­tun­gen der Kin­der- und Jugend­hil­fe schaffen,
  • Bedar­fe ermit­teln unter Berück­sich­ti­gung der Wün­sche und Inter­es­sen jun­ger Men­schen und ihrer Erziehungsberechtigten,
  • und die Pla­nung geeig­ne­ter Maßnahmen.

Wer soll die­se Auf­ga­be über­neh­men? Ein Blick ins Kompetenzprofil:

In den meis­ten Kom­mu­nen sind es Pla­nungs­fach­kräf­te, die den Pro­zess der Jugend­hil­fe­pla­nung koor­di­nie­ren und in Abstim­mung mit allen Betei­lig­ten umset­zen – eine Auf­ga­be, die Viel­fäl­tig­keit und kom­ple­xe Ver­ant­wor­tung erfor­dert. Das spie­gelt sich auch im von der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Lan­des­ju­gend­äm­ter ent­wi­ckel­ten Kom­pe­tenz­pro­fil für Jugend­hil­fe­pla­nungs­fach­kräf­te: „[Auch] wenn Jugend­hil­fe­pla­nung, wie beschrie­ben, eine Quer­schnitts­auf­ga­be ist, der sich das gesam­te Jugend­amt zu stel­len hat, braucht es mit zeit­li­chen und sach­li­chen Res­sour­cen aus­ge­stat­te­te Fach­kräf­te, denen (…) die Umset­zungs­ver­ant­wor­tung obliegt.“ Beschrie­ben wer­den neun zen­tra­le Kom­pe­tenz­fel­der von Pla­nungs­fach­kräf­ten. Sie las­sen sich im Kern in drei Berei­che bündeln:

Fach­li­che Kom­pe­tenz:
von der Ana­ly­se bis zur Umsetzung

Die Kin­der- und Jugend­hil­fe ist kom­plex – in ihren Rechts­vor­schrif­ten, der Ange­bots­land­schaft und den betei­lig­ten Akteu­ren und Sys­te­men. Das heißt, es braucht ein grund­sätz­li­ches Ver­ständ­nis für die Struk­tur und Arbeits­wei­se inner­halb der Kin­der- und Jugend­hil­fe. Eine gute Fach­lich­keit ist dar­über hin­aus ins­be­son­de­re bei der Erfas­sung und Dar­stel­lung von Bedar­fen erfor­der­lich. Es braucht Wis­sen und Fähig­kei­ten zur Daten­er­he­bung und ‑ana­ly­se, zur Berichts­le­gung und zur Betei­li­gung von Fach­kräf­ten sowie von Kin­dern, Jugend­li­chen und Fami­li­en selbst.

Metho­di­sche Kom­pe­tenz:
Pro­zes­se initi­ie­ren und gestalten

Jugend­hil­fe­pla­nung ist weit­aus mehr als ein in sich abge­schlos­se­ner tech­no­kra­ti­scher Pla­nungs­pro­zess. Es geht dar­um, ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und Inter­es­sen­la­gen, fach­li­che Kon­zep­te und poli­ti­sche Schwer­punk­te mit­ein­an­der in Ver­bin­dung zu brin­gen, um gute Rah­men­be­din­gun­gen für ein gelin­gen­des Auf­wach­sen von Kin­dern und Jugend­li­chen zu schaf­fen. Dafür braucht es Hand­werks­zeug: für die Pla­nung sich über­la­gern­der Pro­zess­schrit­te, die Koor­di­na­ti­on ver­schie­de­ner Gre­mi­en und für die Mode­ra­ti­on von gro­ßen Grup­pen mit ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven und Akteuren.

Sozia­le & kom­mu­ni­ka­ti­ve Kom­pe­tenz:
im Meh­re­be­nen-Sys­tem agieren

Jugend­hil­fe­pla­nung ist ein kom­mu­ni­ka­ti­ver Pro­zess. Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bin­det, schafft Räu­me für Aus­tausch und Dis­kurs und kann zugleich Rah­mung und Sicher­heit bie­ten. Es braucht daher die Fähig­keit, Bedin­gun­gen klar zu for­mu­lie­ren, gleich­zei­tig offen für Per­spek­ti­ven und Sys­tem­lo­gi­ken zu sein und die­se letzt­lich zu bün­deln. Das erfor­dert ein hohes Maß an Ver­hand­lungs­ge­schick, Fle­xi­bi­li­tät und Anpassungsfähigkeit.

So weit die Theorie. 

Pra­xis-Check: Über­ört­li­che Jugend­hil­fe­pla­nung in Hamburg

In der Pra­xis kön­nen sich die Anfor­de­run­gen ver­schie­ben. Fle­xi­bi­li­tät ist gefragt – eben­so wie ein guter Blick auf die spe­zi­fi­sche Situa­ti­on vor Ort, bei­spiels­wei­se im Stadt­staat Ham­burg. Auch dort ist die Jugend­hil­fe­pla­nung eine kom­mu­na­le Auf­ga­be und liegt damit in der Ver­ant­wor­tung der Bezir­ke. Gleich­zei­tig baut Ham­burg der­zeit eine über­ört­li­che Jugend­hil­fe­pla­nung auf – als ver­bin­den­des Ele­ment zwi­schen den ein­zel­nen bezirk­li­chen Struk­tu­ren. Betraut wur­de mit die­ser Auf­ga­be San­dra Küch­ler – neu in der Ver­wal­tung, aber erfah­ren in ver­schie­de­nen Berei­chen der Kin­der- und Jugendhilfe.

Fun­dier­tes Sys­tem­wis­sen, ein struk­tu­rier­tes Vor­ge­hen und eine gute Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Offen­heit für ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven braucht auch sie. Die Schwer­punk­te sind aller­dings indi­vi­du­ell: Weni­ger im Fokus ste­hen bei­spiels­wei­se ein­zel­ne Fach­me­tho­den oder die Betei­li­gung direk­ter Ziel­grup­pen. Dafür braucht es vor allem mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koor­di­na­ti­on zwi­schen den ver­schie­de­nen Sys­te­men und Perspektiven.

Was San­dra Küch­ler bei all die­sen Anfor­de­run­gen antreibt, ist vor allem der Wil­le, etwas zu bewegen: 

„Ich bin unzu­frie­den mit dem über­las­te­ten und klein­tei­li­gen Sys­tem der Jugend­hil­fe. Ich möch­te, dass mög­lichst vie­le Men­schen wei­ter­hin gut erreicht wer­den und es ein brei­tes sozia­les Siche­rungs­sys­tem gibt – nicht nur für die mehr­fach belas­te­ten Kin­der und Fami­li­en. Son­dern dass alle Kin­der ins­ge­samt gut auf­wach­sen. Das wün­sche ich mir wirk­lich. Und das ist eine sehr hohe Moti­va­ti­on und Neu­gier: Kann ich da etwas bewegen?“

Dar­über hin­aus bringt San­dra Küch­ler eini­ges für den Job mit: lang­jäh­ri­ge Erfah­rung in unter­schied­li­chen Berei­chen der Jugend­hil­fe, eine wis­sen­schaft­li­che Per­spek­ti­ve, Mode­ra­ti­ons­kom­pe­tenz auch in gro­ßen Grup­pen und kei­ne Ehr­furcht vor bestehen­den Hierarchien.

Im Gespräch mit ihr haben wir aber auch erfah­ren, an wel­chen Stel­len sie an ihre Gren­zen gerät: Die Viel­zahl an Hil­fe­ar­ten, Akteu­ren und Inter­es­sen ist anspruchs­voll – und erfor­dert Geduld und einen lan­gen Atem. Ins­be­son­de­re als Quer­ein­stei­ge­rin in der Ver­wal­tung braucht es Unter­stüt­zung beim Ankom­men und Ori­en­tie­ren, um die Außen­per­spek­ti­ve kon­struk­tiv nut­zen zu kön­nen, statt gegen geschlos­se­ne Türen zu lau­fen. Ein kon­kre­tes Lern­feld ist für San­dra Küch­ler der Umgang mit Daten. Sie bestä­tigt: Gute Pla­nung braucht belast­ba­re Zah­len – und die Fähig­keit, die­se sinn­voll aufzubereiten.

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Sie möch­ten inte­grier­te Pla­nung und Steue­rung in Ihrer Kom­mu­ne wei­ter­ent­wi­ckeln und vor­an­trei­ben? Der Chan­ge-Gui­de unter­stützt Sie mit pra­xis­na­hen Methoden.
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Allrounder:in gesucht, kla­re Schwer­punk­te geboten

Klar ist: Die Jugend­hil­fe­pla­nung ist ein kom­ple­xer Pro­zess, der ent­spre­chen­de Kom­pe­ten­zen vor­aus­setzt und kla­re Rah­men­be­din­gun­gen braucht. Aber klar ist auch: Sie ist eine viel­sei­ti­ge Auf­ga­be mit vie­len Gestal­tungs­spiel­räu­men für Planungsfachkräfte.

Es gibt sie, die All­roun­der-Per­sön­lich­kei­ten, die mit Know-How und viel Kom­pe­tenz Jugend­hil­fe­pla­nung wei­ter­ent­wi­ckeln – ob als Quereinsteiger:in wie San­dra Küch­ler oder mit viel Ver­wal­tungs­er­fah­rung in der Berufs­bio­gra­fie. Aber nie­mand deckt alle Kom­pe­ten­zen glei­cher­ma­ßen ab. Daher braucht es Klar­heit dar­über, wo Schwer­punk­te lie­gen sol­len, wo (zunächst) nicht und wel­che Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten es gibt. 

Hilf­reich sind dafür Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­te und Zeit und Raum für Aus­tausch und Refle­xi­on. Die Lan­des­ju­gend­äm­ter kön­nen dabei ein wich­ti­ger Bau­stein sein. Sie bie­ten in eini­gen Bun­des­län­dern Qua­li­fi­zie­run­gen für Jugendhilfeplaner:innen und Aus­tausch­mög­lich­kei­ten mit ande­ren Fach­kräf­ten aus dem jewei­li­gen Bun­des­land an. Und auch der Blick über das eige­ne Bun­des­land hin­aus lohnt sich, um span­nen­de Ansät­ze und gute Pra­xis zu finden.

Über Dr. San­dra Küch­ler
Dr. San­dra Küch­ler ist über­ört­li­che Jugend­hil­fe­pla­ne­rin und ver­ant­wort­lich für die Pla­nung sowie die Steue­rung der Hil­fen zur Erzie­hung in der Behör­de für Schu­le, Fami­lie und Berufs­bil­dung der Han­se­stadt Ham­burg. Zuvor war sie unter ande­rem in der Fami­liä­ren Kri­sen­hil­fe, Gemein­we­sen­ar­beit, wis­sen­schaft­li­chen For­schung und als Jugend­hil­fe­re­fe­ren­tin beim alter­na­ti­ven Wohl­fahrts­ver­band SOAL tätig. In ihrer Pro­mo­ti­on beschäf­tig­te sie sich mit par­ti­zi­pa­ti­ven Prak­ti­ken in der Sozia­len Arbeit.

Ham­burg ist eine von 8 Kom­mu­nen in unse­rem K360-Fel­low-Pro­gramm.
Mit dem Pro­gramm unter­stüt­zen wir die Kom­mu­nen, ihre Vor­ha­ben im Bereich der inte­grier­ten Pla­nung und Steue­rung für gelin­gen­des Auf­wach­sen ziel­ge­rich­tet vor­an­zu­brin­gen und pas­sen­de Ant­wor­ten auf kom­mu­na­le Her­aus­for­de­run­gen in Kri­sen­zei­ten zu fin­den. Das Pro­gramm umfasst eine indi­vi­du­el­le Beglei­tung von Kom­mu­nen, bewähr­te Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te und inter­kom­mu­na­le Ver­net­zungs­for­ma­te. Regel­mä­ßig geben wir im Maga­zin Ein­bli­cke in die Arbeit der Kom­mu­nen. Wenn Sie kei­nen Bei­trag ver­pas­sen wol­len, abon­nie­ren Sie unse­ren Newsletter.

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