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Kooperative und integrierte Planung und Steuerung für gelingendes Aufwachsen
08.07.2026 | Blogbeitrag von Nancy Weber dos Santos

Der Kita-Index in Halle (Saale) - So gelang es, beim Kita-Abbau einen Konsens für alle Beteiligten zu finden

Gebur­ten­rück­gän­ge, ange­spann­te Haus­halts­la­gen und ein per­spek­ti­visch zu gro­ßes Kita­netz wer­den vie­le Kom­mu­nen in den kom­men­den Jah­ren vor schwie­ri­ge Ent­schei­dun­gen stel­len; so auch Hal­le an der Saa­le. Kita-Pla­ne­rin Bea­te Erfurth und Sebas­ti­an Meiß­ner, Lei­ter der Inte­grier­ten Sozi­al­pla­nung, haben des­halb vor­aus­schau­end einen inno­va­ti­ven Pro­zess in der Stadt­ver­wal­tung ange­sto­ßen, um dem zu begeg­nen. Ihr Ziel ist es, nicht nur Über­ka­pa­zi­tä­ten von Kita-Plät­zen sinn­voll abzu­bau­en, son­dern eine zukunfts­fes­te Kita-Infra­struk­tur auf­zu­bau­en, die wirt­schaft­lich trag­fä­hig bleibt und zugleich päd­ago­gi­sche Qua­li­tät, Trä­ger­viel­falt und Chan­cen­ge­rech­tig­keit in der Kita­land­schaft sichert. Her­aus­ge­kom­men ist ein indi­ka­to­ren­ge­stütz­tes Ver­fah­ren, das die lang­fris­ti­ge Siche­rung des Fort­be­stands von Kin­der­ta­ges­stät­ten ana­ly­siert und bewer­tet: der Kita-Index.

Was kön­nen ande­re Kom­mu­nen von Hal­le (Saa­le) und dem Kita-Index lernen?

Die Ent­wick­lung des Kita-Index in Hal­le (Saa­le) zeigt, wie Kom­mu­nen unter schwie­ri­gen finan­zi­el­len und demo­gra­fi­schen Bedin­gun­gen hand­lungs­fä­hig blei­ben kön­nen: durch trans­pa­ren­te Bewer­tungs­kri­te­ri­en, lang­fris­ti­ge Pla­nung und brei­te Betei­li­gung ver­schie­de­ner Akteurs­grup­pen. Der Kita-Index in Hal­le (Saa­le) ist nicht nur ein Instru­ment der Kapa­zi­täts­steue­rung, son­dern ein Bei­spiel dafür, wie inte­grier­te Sozi­al­pla­nung kon­kret umge­setzt wer­den kann. Die auf­ge­zeig­te Trans­pa­renz ver­leiht der Ver­wal­tung nicht nur Glaub­wür­dig­keit in dem Pro­zess, son­dern schafft auch Ver­trau­en dar­in, dass die Stadt maß­voll und mit Weit­sicht vor­geht. Wir haben uns ange­schaut, wie genau das in Hal­le (Saa­le) funktioniert.

Die Her­aus­for­de­rung: Wie trifft man Ent­schei­dun­gen zu einem hoch­sen­si­blen Thema?

Das The­ma Kin­der­ta­ges­be­treu­ung ist kom­mu­nal­po­li­tisch sen­si­bel. Ent­schei­dun­gen über Kita­plät­ze betref­fen nahe­zu alle Fami­li­en mit Kin­dern zwi­schen null und sechs Jah­ren. Gleich­zei­tig sind Ein­rich­tun­gen häu­fig wich­ti­ge sozia­le Anker­punk­te im Sozi­al­raum. Vor die­sem Hin­ter­grund stand die Stadt vor einer dop­pel­ten Her­aus­for­de­rung: Einer­seits waren belast­ba­re Kri­te­ri­en nötig, um Über­ka­pa­zi­tä­ten nach­voll­zieh­bar zu bewer­ten. Ande­rer­seits galt es, Ver­trau­en bei frei­en Trä­gern, Eltern­ver­tre­tun­gen, Poli­tik sowie auch inner­halb der Ver­wal­tung auf­zu­bau­en. Somit war klar: Es soll­te kein kurz­fris­ti­ges Spar­in­stru­ment ent­ste­hen, son­dern ein trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren, das fach­lich begrün­det und für alle Betei­lig­ten nach­voll­zieh­bar ist. Der Kita-Index schafft das, in dem er lang­fris­ti­ge Pla­nung, Trans­pa­renz und sozi­al­räum­li­che Ver­ant­wor­tung mit­ein­an­der verbindet.

Brei­te Betei­li­gung schafft Akzep­tanz für den Kita-Index

Die Kita­be­darfs­pla­nung 2025 bis 2027 und die damit ver­bun­de­ne Ent­wick­lung mess­ba­rer Bewer­tungs­kri­te­ri­en erfolg­te in einem umfas­sen­den par­ti­zi­pa­ti­ven Pro­zess: In Zusam­men­ar­beit mit dem Fach­be­reich Bil­dung wur­den neben ver­wal­tungs­in­ter­nen Abstim­mungs- und Ent­wick­lungs­run­den auch der kom­mu­na­le Eigen­be­trieb Kita sowie die Frei­en Trä­ger betei­ligt. Dafür waren mehr als zehn Betei­li­gungs­run­den nötig. Zusätz­lich infor­mier­te die Stadt auch die Stadt­el­tern­ver­tre­tung über den Stand der Bedarfs- und Ent­wick­lungs­pla­nung und bezog eben­falls Hin­wei­se zu den aus ihrer Per­spek­ti­ve zen­tra­len Bewer­tungs­kri­te­ri­en mit ein. Dar­an anknüp­fend erhielt der Unter­aus­schuss Jugend­hil­fe­pla­nung sowie der Betriebs­aus­schuss des Eigen­be­triebs Kin­der­ta­ges­stät­ten alle Infor­ma­tio­nen über den aktu­el­len Ver­fah­rens­stand (Quel­le: JUGENDHILFEPLANUNG DER STADT HALLE (SAALE) gemäß § 80 SGB VIII, S. 35 ff., Stand: 18.09.2025).

Das Ergeb­nis der Betei­li­gungs­for­ma­te: Die Akteurs­grup­pen benann­ten zahl­rei­che poten­zi­el­le Bewer­tungs­kri­te­ri­en, die sich anschlie­ßend drei über­ge­ord­ne­ten Kate­go­rien zuord­nen las­sen. Die genann­ten Bewer­tungs­kri­te­ri­en wur­den auf Anwend­bar­keit geprüft und anschlie­ßend als rele­van­te Kenn­zah­len in den Kita-Index auf­ge­nom­men. Rück­bli­ckend erwies sich die­ser brei­te Aus­tausch als wesent­li­cher Erfolgs­fak­tor für die Akzep­tanz des Kita-Indexes.

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Ein mehr­stu­fi­ges Steue­rungs­in­stru­ment: Wie funk­tio­niert der Kita-Index?

Um neben quan­ti­ta­tiv abbild­ba­ren Kri­te­ri­en zur Ermitt­lung von Über­ka­pa­zi­tä­ten auch qua­li­ta­ti­ve Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen, geht die Inte­grier­te Sozi­al­pla­nung in drei Pro­zess­schrit­ten vor.

  1. Quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­se: Wie ist der aktu­el­le Ver­sor­gungs­grad?
    Zuerst unter­sucht die Kita-Pla­nung, wie gut die ein­zel­nen Stadt­tei­le mit Kita­plät­zen ver­sorgt sind und ob es mög­li­cher­wei­se Über­ka­pa­zi­tä­ten gibt. Grund­la­ge hier­für ist der soge­nann­te Ver­sor­gungs­grad, also das Ver­hält­nis zwi­schen ver­füg­ba­ren Kita-Plät­zen und der Anzahl der gemel­de­ten Kin­der. Als Ziel­wert hat die Stadt Hal­le (Saa­le) einen Ver­sor­gungs­grad von 105 % fest­ge­legt, um sowohl den regu­lä­ren Bedarf als auch zusätz­li­che kurz­fris­ti­ge Bedar­fe abde­cken zu können.
  2. Ver­glei­che: Wel­che Ein­rich­tun­gen sind bestands­ge­fähr­de­ter als ande­re?
    In einem zwei­ten Schritt wird unter­sucht, wel­che Kitas in den über­ver­sorg­ten Stadt­tei­len lang­fris­tig gefähr­det sein könn­ten. Dafür wer­den die Ein­rich­tun­gen anhand der betreu­ungs­be­zo­ge­nen und wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en bewer­tet. Aus den Ergeb­nis­sen wird der „Index­wert der Bestands­fä­hig­keit“ (IBK-Wert) gebil­det. Er ermög­licht es, die Ein­rich­tun­gen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Je höher der IBK-Wert, des­to grö­ßer ist die Bestands­ge­fähr­dung der jewei­li­gen Kita.
  3. Qua­li­ta­ti­ve Bewer­tung: Wel­che Zukunfts­aus­sich­ten haben die Ein­rich­tun­gen?
    Anschlie­ßend erfolgt ein ver­tie­fen­der Blick auf die bestand­ge­fähr­de­ten Ein­rich­tun­gen. Dabei wer­den ihre sozia­le und päd­ago­gi­sche Bedeu­tung im Stadt­teil, ihre Ver­net­zung sowie wirt­schaft­li­che Aspek­te wie Sanie­rungs­be­darf oder alter­na­ti­ve Nut­zungs­mög­lich­kei­ten betrach­tet. Grund­la­ge dafür sind Gesprä­che mit den Trä­gern und wei­te­ren Akteu­ren im Sozi­al­raum. Ziel ist es, gemein­sam Zukunfts­per­spek­ti­ven und mög­li­che Maß­nah­men wie Kapa­zi­täts­an­pas­sun­gen, Koope­ra­tio­nen oder gege­be­nen­falls Stand­ort­schlie­ßun­gen zu ent­wi­ckeln. Gera­de die­ser qua­li­ta­ti­ve Zugang unter­schei­det den hal­le­schen Ansatz von rein sta­tis­ti­schen Abbau­pla­nun­gen. Die Stadt­ver­wal­tung betont aus­drück­lich, dass nicht allein die Wirt­schaft­lich­keit über die Zukunft einer Ein­rich­tung ent­schei­den soll.

Das Ergeb­nis aus die­sen drei Pro­zess­schrit­ten: Die Kita­pla­ne­rin und ihre Kolleg:innen der inte­grier­ten Sozi­al­pla­nung und des Fach­be­reichs Bil­dung erar­bei­ten nach­voll­zieh­ba­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen und kon­kre­te Ent­schei­dungs­vor­schlä­ge, um Über­ka­pa­zi­tä­ten zu redu­zie­ren. Sie die­nen als Grund­la­ge, um die hal­le­sche Kita­land­schaft im Rah­men der Bedarfs- und Ent­wick­lungs­pla­nung mit­tel- und lang­fris­tig anzu­pas­sen und zukunfts­fä­hig mit den betei­lig­ten Akteur:innen zu gestalten.

Lang­fris­ti­ge Pla­nung statt kurz­fris­ti­ger Schließungen

Obwohl der Kita-Index bereits Ende 2025 vom Stadt­rat beschlos­sen wur­de, gilt er erst ab 2028, sodass Ein­rich­tun­gen bis Ende 2027 wei­ter­hin regu­lär geför­dert wer­den. Ziel ist es, Trä­gern, Beschäf­tig­ten und Eltern früh­zei­tig Pla­nungs­si­cher­heit zu geben. Zunächst sol­len freie Kapa­zi­tä­ten genutzt wer­den, um die päd­ago­gi­sche Qua­li­tät zu ver­bes­sern und zusätz­li­che Flä­chen­be­dar­fe abzu­de­cken. Die Stadt­ver­wal­tung betont: Schlie­ßun­gen gel­ten aus­drück­lich nicht als vor­ran­gi­ges Ziel des Kita-Inde­xes. Statt­des­sen sol­len Kitas und ihre Räu­me mög­lichst erhal­ten blei­ben, z.B. um sie fle­xi­bel wei­ter nut­zen zu kön­nen, etwa für ande­re Ange­bo­te der Jugend­hil­fe. Hin­ter­grund sind Erfah­run­gen aus frü­he­ren Jah­ren, in denen die Nach­fra­ge nach Kita­plät­zen nach dem Abbau von Kapa­zi­tä­ten kurz­fris­tig wie­der stark anstieg. Das Ziel lau­tet statt­des­sen: Kita­struk­tu­ren sol­len nach­voll­zieh­bar und sozi­al­ver­träg­lich ange­passt werden.

Hal­le (Saa­le) ist eine von 8 Kom­mu­nen in unse­rem K360-Fel­low-Pro­gramm.
Mit dem Pro­gramm unter­stüt­zen wir die Kom­mu­nen, ihre Vor­ha­ben im Bereich der inte­grier­ten Pla­nung und Steue­rung für gelin­gen­des Auf­wach­sen ziel­ge­rich­tet vor­an­zu­brin­gen und pas­sen­de Ant­wor­ten auf kom­mu­na­le Her­aus­for­de­run­gen in Kri­sen­zei­ten zu fin­den. Das Pro­gramm umfasst eine indi­vi­du­el­le Beglei­tung von Kom­mu­nen, bewähr­te Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te und inter­kom­mu­na­le Ver­net­zungs­for­ma­te. Regel­mä­ßig geben wir im Maga­zin Ein­bli­cke in die Arbeit der Kom­mu­nen. Wenn Sie kei­nen Bei­trag ver­pas­sen wol­len, abon­nie­ren Sie unse­ren Newsletter.

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